„Cutting“ - Top Disziplin des Westernreitens

Blitzschnell wirft das Pferd seine Beine auf die andere Seite, den Blick unaufhörlich auf das wendige Rind vor ihm gerichtet. Tiefgeduckt schneidet das Pferd dem Rind den Weg ab. In Bruchteilen von Sekunden wird über Sieg und Niederlage entschieden. Das Cutting-Pferd muss schneller sein als die Kuh, um die heftigen ersten Bewegungen der Kuh zu kontern. Dafür bringt das Ross eine natürliche Gabe mit, den „Cow Sense“, der dem Jagd- und Hüte-Instinkt eines Border-Collies gleichzusetzen ist. Der Cow Sense ist angeboren und nicht erlernbar. Der Reiter muss versuchen, sich diesen ebenfalls anzueignen, um nicht dem Pferd im Wege zu sein.

 

Hat der Reiter erst einmal ein Rind von der Herde isoliert, darf er keine Zügeleinwirkungen mehr auf das Pferd geben. Der Reiter muss sich beim Cutting auf die Bewegungen des Pferdes einstellen, ohne diese zu beeinträchtigen. Ehrgeiz und Wille des Pferdes sind ausschlaggebend für den Sieg. Dieses blitzschnelle Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd macht die Faszination des Cutting aus. Und den Pferden macht Cutting sichtlich Spaß …

 

Die wichtigsten Regeln

 

Reiter und Pferd haben 150 Sekunden Zeit, Rinder aus einer Herde zu separieren und daran zu hindern, wieder zurückzukommen. Für eine optimale Präsentation arbeiten die Cutter in dieser Zeit zwei bis drei verschiedene Rinder.

 

Der Cutter wird bei seiner Arbeit von vier selbstgewählten Helfern unterstützt. Wenn das Pferd langsam in die Herde geht, beginnt der Reiter, ein Rind auszuwählen. Gute Cutter studieren die Herde vor dem Wettkampf, um herauszufinden, welches Rind besonders geeignet ist. Der Richter vergibt eine Punktzahl zwischen 60 und 80, wobei er zu Anfang des Ritts von einer Durchschnittsbewertung von 70 Punkten ausgeht.

 

Der Reiter trennt ein Rind und positioniert sein Pferd für den Cut („Schnitt“). Das Pferd soll nun selbständig bei durchhängendem Zügel verhindern, dass das separierte Rind zur Herde zurückgelangt. Wird das Rind untätig oder verliert es gar die Lust, zur Herde zurückzukehren, hebt der Reiter die Zügel an und signalisiert Pferd und Richter, das Rind aufzugeben.

 

Die Helfer, vor allem die Corner Men sind äußerst wichtig für den Cutter. Sie müssen dem Reiter helfen, indem sie zum Beispiel vor dem Deep Cut, dem ruhigen und tiefen Hineinreiten in die Herde (ein Deep Cut muss im Wettbewerb gezeigt werden) die Herde richtig zusammenstellen. Zwei gute Corner Men sind die halbe Miete. Ein Viertel hängt davon ab, ob das eigene Pferd gut geht und das letzte Viertel machen die Turnbacks aus.

 

Welches Rind ist nun das richtige: Eines, das schon kurz und gut gearbeitet hat, sollte man wieder nehmen. Gut ist auch ein kurzer Halsansatz und ein tief gehaltener Kopf bei der Kuh. Denn Rinder, die den Reiter mit hoch erhobenem Kopf anschauen, haben meist keinen Respekt vor dem Pferd. Favorisiert werden müssen deshalb Rinder, die schon beim Deep Cut versuchen, sich von dannen zu machen.

 

Ein typischer Anfängerfehler ist das fehlende Vertrauen des Reiters in sein Pferd. Schnell will der Neuling mitlenken, und sei es auch nur unbewusst. Ähnlich wie beim Motorradfahren gilt es auch hier, anfangs zu lernen, sich gemeinsam mit dem Pferd in einer Linie in die Bewegungen zu legen.

 

Ist dem Cutting-Schüler dies in „Fleisch und Blut“ übergegangen, gehört er vielleicht schon bald zum stets gelassen wirkenden Kreis der aktiven Cutter, die mit einer festen Strategie in die Arena gehen. Denn das ist es, was wohl den besonderen Reiz des Cutting ausmacht: In 150 Sekunden kommt es auf das Zusammenspiel von Reiter, Pferd, Rind und Helfern an. Und wer gut ist, weiß auch sein Pferd genau einzuschätzen und seine Helfer entsprechend einzuweisen.

 

Meerschweinchen-Ranch